Kurz und prägnant erfährst du, welche neurobiologischen Hebel Lernen wirklich antreiben – und wie du sie gezielt für dein Gehirn aktivierst. Dazu bekommst du konkrete Verhaltensstrategien, mit denen du Lerntage tatsächlich ausschöpfst. Effizientes Lernen ruht auf zwei Säulen: gute Lerntechniken und kluges Dopamin-Management.
„Das Lernen wird nicht gelehrt (…), obwohl es ein Hauptfach sein müßte, und das wichtigste von allen.“ — Sebastian Leitner
1 Wie Dopamin dein Lernen beeinflusst
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der Motivation, Lernen und Belohnung reguliert. Es motiviert dich, Ziele zu verfolgen und Verhalten aufzubauen. Es motiviert zum Lernen, um langfristige Ziele zu erreichen.
In einer Welt mit zu viel leicht verfügbarem Dopamin kann dein Dopaminspiegel zum Lernen schnell zu niedrig sein. Klingt paradox?
Leicht verfügbares („Junk“)-Dopamin kann aber mittel- und langfristig deinen Dopaminspiegel (die sog. Baseline) senken.
Je mehr du dich also an schnelle Belohnung gewöhnst, desto weniger motivierend wirkt Dinge zu lernen – weil dies langsamer zu einer Belohnung führt und anstrengender ist. Folgendes Zitat fasst es gut zusammen, lasse es dir auf der Zunge zergehen:
„Wird Dopamin regelmäßig ohne vorherige Anstrengung ausgeschüttet, kann dies das natürliche Motivationssystem des Gehirns aus dem Gleichgewicht bringen.“ — frei nach Andrew Huberman
Anders gesagt: Leichtes Dopamin – hartes Leben. Hart erarbeitetes Dopamin – leichtes Leben.
Wichtig für deine Lernbereitschaft
Dopaminarme Phasen zulassen
Vermeide schnelle Dopamin-Kicks (z. B. Instagram, TikTok, YouTube-Shorts)
Belohnungen dosieren, sodass das Lernen selbst wieder motivierend wirkt → embrace the boring stuff🤓
„Je schwerer dir das gute Verhalten fällt, desto schwerer mache das schlechte Verhalten.“ — frei nach James Clear
Handy- und Ablenkungsmanagement
Handy außerhalb der Reichweite aufbewahren; zusätzlich Flugmodus oder Apps wie Freedom oder Forest nutzen, um Ablenkung zu reduzieren.
Immer noch zu oft am Handy? → Ausschalten und wegschließen.
Zu viel Social Media? → Aus Accounts ausloggen und entsprechende Apps vom Handy deinstallieren (Accounts bleiben dadurch bestehen).
Feste, ablenkungsarme Lernzeiten
Tägliche, störungsfreie Lern-Slots von ein bis mehreren Stunden einplanen – möglichst immer zur ähnlichen Zeit.
Diese Zeiten klar an Mitmenschen und Familie kommunizieren, damit sie als fester Rhythmus respektiert werden.
Dein Körper kann sich so auf einen wiederkehrenden Lernmodus einstellen und leichter in konzentrierte Zustände gelangen.
Physische und digitale Ordnung
Klare, aufgeräumte Lernumgebung, reduziert auf das Wesentliche (Laptop, Wasser).
Frei von visuellen oder akustischen Reizen und frei von schnell verfügbarem „Junk-Dopamin“ (WhatsApp/Instagram checken, Süßigkeiten, Serien usw.).
Auch digital: Aufgeräumter Desktop, keine unnötigen Tabs, nicht benötigte Programme geschlossen.
Umgang mit Musik
Musik nur nutzen, wenn sie nicht ablenkt.
Bei hohem Fokus: möglichst ohne Musik arbeiten, da sie keinen Zusatznutzen liefert.
Bei leichter Müdigkeit: ggf. konzentrationsförderliche Musik einsetzen.
Grundprinzip
Die Lernumgebung so reizarm gestalten, dass der Lerninhalt die spannendste Aktivität im Raum ist.
In Pausen sind soziale Interaktionen völlig in Ordnung und können mentale Entlastung bieten.
Persönliche Erfahrung
Für meinen Lernerfolg war es notwendig, Computerspiele und Fernsehserien nahezu vollständig aus meinem Leben zu entfernen.
Belohnungssystem mit dem Lernen verbinden
Dafür musst beim Lernen zwei Dinge beachten: Erstens solltest du starke Belohnungsreize sowohl vor als auch nach dem Lernen vermeiden – sie erzeugen einen so hohen Dopaminausschlag, dass das eigentliche Lernen neurobiologisch „überstrahlt“ wird. Zweitens solltest du dafür sorgen, dass das Lernen selbst belohnend wird: kleine Fortschritte sichtbar machen, positive Erwartung erzeugen, Autonomie und spielerische Elemente nutzen.
Punkt 1: Starke Belohnungen vorher und nachher vermeiden
Vor dem Lernen keine stark stimulierenden Tätigkeiten: kein Social Media, kein Snacking, keine Serienclips.
Nach dem Lernen nur milde Belohnungen: Tee, kurzer Spaziergang, Musikstück.
Faustregel: Die Belohnung sollte angenehm sein, aber keinen schnellen, intensiven Dopaminkick erzeugen.
Punkt 2: Lernen selbst belohnend machen
Lerneinheiten in sehr kleine Schritte unterteilen und jeden sichtbaren Fortschritt markieren.
Positives Erwartungsgefühl erzeugen, indem du dir z. B. sagst: „Diese kurze Einheit bringt mich spürbar weiter.“
Mini-Gamification nutzen: kleine Herausforderungen, Zufallselemente, Wahlmöglichkeiten zwischen zwei Aufgaben.
Lernort oder -format regelmäßig leicht variieren, um Neuheitseffekte zu nutzen. Erhöht auch die Erinnerungsflexibilität: Das zu Lernende wird nicht bloß aufgrund bestimmter Umweltreize erinnert.
Eine ausführliche Anleitung, wie du das Lernen selbst belohnender machst, findest du hier (Link fehlt).
3 Grundprinzipien effektiven Lernens
Mit Mythen aufräumen
Hier soll mit Mythen darüber aufgeräumt werden, wie man richtig lernt. Es ist mittlerweile wissenschaftlich klar dargelegt, was genau im Gehirn dazu führt, dass sich in neuronalen Netzwerken Querverbindungen und Synapsen stärken. Genau das bedeutet auf neuronaler Ebene im Gehirn Wissensaufbau (der häufigste Mechanismus). Im Gehirn einer Spezies, das sich sehr wahrscheinlich seit mehreren 10.000 Jahren nicht wesentlich verändert hat.
Tests dienen dazu, Wissen aufzubauen. Ihr vorrangiges Ziel ist nicht, Wissen zu prüfen.
Ein Test erfordert aktives Abrufen, was bedeutet, dass du ohne Hilfen versuchst, das Gelernte aus dem Gedächtnis hervorzuholen.
Durch aktives Abrufen ohne Hilfe entsteht Wissen. Zu glauben, dass Verstehen = Wissen sei, ist Selbstbetrug.
Sich anzustrengen, etwas zu beantworten und dann gegebenenfalls direkt auf den Fehler hingewiesen zu werden und die richtige Antwort präsentiert zu bekommen (Fehlerfeedback, engl. error-based learning), setzt einen starken Reiz für das Nervensystem, sich zu verändern = zu lernen.
Besonders am Anfang, direkt nach dem ersten Verstehen, häufig Testsituationen ausgesetzt zu sein, ist der Schlüssel. Dies ist dem wiederholten Lesen, bloßem Präsentiertbekommen oder massiven Markern deutlich überlegen.
Alle aufgenommenen Informationen bewegen sich auf der Vergessenskurve, die etwa wie eine Rutsche aussieht. Regelmäßige Tests des Wissens lassen diese Kurve immer flacher werden; das Vergessen wird also immer weiter in die Zukunft hinausgezögert.
Das Ergebnis eines Tests in der Zukunft ist proportional zur Anzahl an Tests mit Fehlerfeedback, denen man sich in der Vergangenheit bereits unterzogen hat – auch wenn in diesen anfänglichen Tests kein hoher Prozentwert erreicht wurde.
Lerntypen sind ein Mythos
Die sogenannten Lerntypen haben in der Forschung bisher keine ausreichende empirische Unterstützung gefunden. Sie stellen daher zum jetzigen Zeitpunkt für Lernende kein empfehlenswertes oder wissenschaftlich belastbares Konzept dar.
Natürlich kannst du deinen Lernstoff hören, sehen oder fühlen oder ihn dir von einer Lehrkraft anschaulich erklären lassen. Doch all das gehört zum Prozess des Verstehens! Lernen findet erst dann statt, wenn du Informationen aktiv abrufen musst und zeitnahes Feedback auf deine Fehler erhältst.
Wie genau funktioniert aktives Abrufen?
Aktives Abrufen = Gelerntes ohne Hilfe aus dem Gedächtnis abrufen. Eine solche Testsituation mit unmittelbarem Fehlerfeedback können dir Lernsoftware, alte Klausuren und Prüfungen, Arbeiten zu zweit oder in Gruppen sowie künstliche Intelligenz bieten. Je roher und unverfälschter der Abruf ist, desto stärker der Lernimpuls.
Was ist ein guter Test?
Ein Test wirkt am stärksten, wenn er ein unverfälschtes aktives Abrufen verlangt: eine kurze, präzise Frage, auf die du ohne jede Hilfe antworten musst. Formate, die nur Wiedererkennen erfordern – zum Beispiel Multiple Choice – sind dem freien Abruf klar unterlegen und können sogar falsche Erinnerungen begünstigen. Optimal ist ein Schwierigkeitsgrad, bei dem du dich anstrengen musst, die Antwort aber grundsätzlich rekonstruierbar bleibt. Fehler sind dabei kein Makel, sondern ein produktiver Wachstumsreiz: Genau in diesem Moment setzt das stärkste Lernen ein. Sofortiges Fehlerfeedback verstärkt die synaptischen Anpassungen, weil das Nervensystem die Differenz zwischen eigener Annahme und richtiger Lösung unmittelbar verarbeitet – und dadurch neue Querverbindungen besonders effizient ausbildet. Dieses Zusammenspiel aus anspruchsvoller Abrufaufgabe, rohem Antwortversuch und direkter Korrektur bildet laut aktueller Forschung die effektivste Methode, um neuronale Verbindungen zu stärken und Wissen dauerhaft zu stabilisieren.
Die Vergessenskurve (forgetting curve)
Nachdem du Information aufgenommen hast, folgt das Vergessen – unausweichlich und bei allen Menschen, einem Naturgesetz gleich. In den ersten Stunden geht dabei am meisten verloren. Genau dieses Muster beschreibt die Vergessenskurve, die seit über 140 Jahren empirisch immer wieder bestätigt wurde.
Vergessenskurve nach Hermann Ebbinghaus. Darstellung basierend auf historischen Experimenten und späteren Rekonstruktionen. Quelle: Wikimedia Commons, Datei „Forgetting curve and work of Ebbinghaus“. Lizenz: CC BY-SA 4.0.
Deshalb brauchst du zeitnah eine Situation (einen Test), in der Teile deines Wissens auf die Probe gestellt werden. Auf deine Antwort (z. B. verbal oder als elektronischer Klick) muss sofortiges Fehlerfeedback folgen, also die Rückmeldung, ob dein Wissen ausgereicht hat, um die Aufgabe oder Frage zu lösen. Und was ggf. die richtige Antwort gewesen wäre. Erst durch diese Kombination entsteht echter Lerneffekt.
Mit jedem Test (in der Grafik Review) wird die Vergessenskurve flacher, also das Vergessen weiter in die Zukunft hinausgezögert.
Mehrere Quellen nutzen und wirklich verstehen
Bevor du in die Tests gehst, solltest du dir zumindest so viel Zeit nehmen, dass die Grundidee eines Themas wirklich verstanden ist – dann kann aktives Abrufen seine Wirkung besser entfalten. Seriöse Quellen (Video, Vorlesung, Buch, Podcast etc.) zu mischen, kann tiefergehendes Verständnis fördern. Aber Vorsicht: Lieber weniger Information wirklich verstehen, als viel Information bloß zu konsumieren. Befasse dich daher lieber intensiv mit 2 Quellen, als 4 bloß zu konsumieren. Du musst aber nicht die letzten Details verstanden haben! Wenn Information für dich sinnhaft ist, bedeutet das eine von Anfang an flachere Vergessenskurve.
„We are over-newsed but under-informed.“ — häufig Neil Postman zugeschrieben (Urheberschaft nicht eindeutig belegt)
Information in eigenen Worten zusammenfassen
Fasse aufgenommene Information in deinen eigenen Worten zusammen, zum Beispiel: „Therapie des Eisenmangels“, „Napoleons erste Jahre“ usw. Dabei direkt versuchen, die Information aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren – als ersten kleinen Test.
Ich profitiere von digitalen Zusammenfassungen / Aufzeichnungen (z. B. mit Apple Notizen, Samsung Notes, OneNote, Google Keep, Notion oder Simplenote), weil ich sie auf all meinen Geräten abrufen, bearbeiten und um Bilder ergänzen kann.
Intervall-Lernen ist der Schlüssel
Weil ein einzelner Abruf (Test) plus Fehlerfeedback nicht ausreicht – und besonders in den ersten Stunden nach dem Lernen überproportional wirksam ist –, braucht Lernen Wiederholungsintervalle.
Schlecht beherrschtes (neues) Wissen muss zeitnah erneut abgefragt werden; je besser du es beherrschst, desto seltener genügt eine Abfrage. Auf diese Weise stabilisiert sich dein Wissen Schicht für Schicht. Schon etwas besser verankerte Inhalte können daher in größeren Abständen wiederholt werden.
Entscheidend ist also die wiederholte Konfrontation mit dem eigenen Vergessen – nicht das bloße erneute Lesen oder ein andersartiges Präsentieren des Stoffes.
Intervall-Lernen mit Anki
Eine empfehlenswerte Software für konstante Mikro-Prüfungen ist Anki. Ein smarter Algorithmus nutzt das Prinzip des Intervall-Lernens und legt dir deine elektronischen Karteikarten genau dann vor, wenn das Vergessen wahrscheinlich wird.
Anki optimiert so den Kampf gegen die Vergessenskurve und lässt sie mit der Zeit immer flacher werden.
Vor dem Zusammenarbeiten mit einer oder mehreren Personen ist es ratsam, einen einigermaßen soliden Grundstock an Wissen aufgebaut zu haben. Beispielsweise verweisen besonders erfolgreiche Medizinstudierende auf einen hohen Anteil an eigenständigen Lernzeiten.
Wissen durch Erklären festigen
Wenn du ein Thema oder Konzept anderen erklärst, stärkt das deine eigenen neuronalen Verbindungen. Durch gezielte Verabredungen an ablenkungsarmen Orten kannst du solche Lernsituationen bewusst herbeiführen.
Praxisbeispiel Tipp10
Beispiel aus der Praxis: Die kostenlose Software Tipp10 ist sehr gut darin, dich im Zehn-Finger-System zu trainieren. Dafür misst sie, welche Anschläge du noch nicht so gut beherrschst. Es sind meist Anschläge mit Ring- und Kleinfinger der nicht-dominanten Hand am schwersten. Diese Anschläge setzt dir das Programm dann immer wieder als Praxisprüfung vor, solange bis du sie besser kannst. Danach werden die Abstände wieder größer.
4 Lernphysiologische Optimierung
Lernlast auf viele Tage verteilen
Verteile deine Lernlast auf möglichst viele Tage: Lieber fünfmal 20 Minuten an fünf Tagen als einmal 100 Minuten an einem Tag. Das führt zu nachhaltigerer Speicherung und längerer Abrufbarkeit. Die Zeiten sind beispielhaft. Entscheidend ist, dass tägliche (oder zumindest regelmäßige) Kontinuität eine massive Lernsitzung in der Nachhaltigkeit bei Weitem schlägt. Die Software Anki verteilt die Lernlast automatisch auf verschiedene Tage.
Nutze dein Willenskraft-Hoch am frühen Tag
Greife in den ersten wachen Stunden auf dein natürliches Willenskraft-Maximum zu, um die anspruchsvollsten Aufgaben mit geringem inneren Widerstand zu erledigen.
„If it’s your job to eat a frog, it’s best to do it first thing in the morning.“ — häufig Mark Twain zugeschrieben (Urheberschaft nicht eindeutig belegt)
Willenskraft ist wie ein frisch geladener Akku im Kopf – Neurophysiologisch etwa gleichbedeutend mit einem hochgefahrenen Dopaminsystem. Dabei hat der sog. Chronotyp einen Einfluss: Bei Lerchen passiert das meist am frühen Morgen (≈ 06 – 09 Uhr), bei Eulen eher gegen späten Vormittag (≈ 10 – 13 Uhr). Stelle es dir wie ein Spektrum von frühem Morgen bis späten Vormittag vor, auf dem sich dein individueller Dopamin-Startpunkt befindet. Das steht unter genetischem Einfluss. Aber auch dein Alter spielt eine Rolle: Kinder sind überwiegend Frühtypen, Teenager verschieben sich deutlich in Richtung Eule. Ab ca. Mitte/Ende 20 verschiebt sich der Chronotyp wieder kontinuierlich nach vorne.
Visualisierung: Lerche vs. Eule
Lerche: 07 Uhr, klar und fokussiert, Akku 100 %. Jetzt die schweren Aufgaben erledigen – den „Frosch“. Eule: 07 Uhr, Nebel im Kopf, Akku 60 %. Zuerst Routineaufgaben, den „Frosch“ gegen 11 Uhr anpacken, wenn der Akku voll ist.
Schlaf entscheidet mit
Schon eine Nacht mit weniger als sechs Stunden Schlaf kann die Selbstkontrolle um etwa 20 % reduzieren. Spät-ins-Bett-Gehen leert den Akku für Lerchen und Eulen gleichermaßen.
Praxis-Check
Miss eine Woche lang, zu welchen Uhrzeiten du dich am fokussiertesten fühlst (Skala 1–10).
Plane den „Frosch“ an deinen Spitzenwerten ein.
Verschiebe den Start testweise um 30 – 60 Minuten nach vorn – viele vermeintliche Eulen merken, dass sie mit guter Schlafhygiene früher produktiv sind, als sie dachten.
Lerne nicht im luftleeren Raum und organisiere dich. Notiere dafür möglichst exakt:
Welche Ressourcen habe ich für das zu lernende Thema? Gibt es Altfragen?
Was genau wird in der nächsten Prüfung abgefragt? Mache dich durch Altfragen oder Gespräche mit Lehrenden mit der für jede Prüfung spezifische Art zu fragen vertraut.
Was wirst du an welchem Tag bis zur Prüfung lernen? Halte dich an den Plan und verbeiße dich nicht in einem Thema, um Über- bzw. Unterlernen zu vermeiden.
Variation & Interleaving
Ähnlichkeitshemmung vermeiden: Wenn Inhalte sich zu ähnlich sind, können sich deren Gedächtnisspuren stören (=interferieren). Durch Variation & Interleaving entsteht genug Distanz, damit das Gehirn sie getrennt abspeichert.
Interleaving (Themen mischen): unterschiedliche, aber verwandte Inhalte innerhalb einer Sitzung abwechseln. NICHT Grammatik direkt nach Grammatik, sondern Grammatik – Vokabeln – Hören – Sprechen im Wechsel. Das schafft klar getrennte Abrufspuren und reduziert Interferenz.
Variation durch geplanten Zufall: zusätzlich gelegentlich unerwartete Aufgaben oder Themen einstreuen. Zum Beispiel frühere Notizen oder Aufzeichnungen überraschend wieder aufgreifen und überarbeiten.
Zeittimer-Techniken
Die sogenannte Pomodoro-Technik erleichtert den härtesten Part des Lernens: das Anfangen. Neurowissenschaftlich liegt das daran, dass der Moment des Starts im Gehirn wie eine mentale Hürde verarbeitet wird. Dabei werden Netzwerke aktiv, die Aufwand, Unsicherheit und Energieverbrauch bewerten. Es ist kein „Schmerz“ im körperlichen Sinne – aber der Start fühlt sich oft ähnlich aversiv an, weil das Gehirn zunächst mehr Kosten als Nutzen sieht. Genau diese Phase musst du überwinden.
Hier hilft ein externer Rahmen wie die Pomodoro-Technik: 25 Minuten konzentriert arbeiten, dann 5 Minuten Pause. Der Timer übernimmt einen Teil der Entscheidungslast und reduziert die gefühlte Anfangshürde.
Tipp bei minimaler Motivation: Starte mit nur 2 Minuten. Die „2-Minuten-Regel“ nutzt einen zentralen neurobiologischen Mechanismus: Sobald du beginnst, verschiebt sich die Aufwand-Nutzen-Bewertung. Die kognitive Hemmung nimmt ab, erste kleine Fortschritte erzeugen ein dopaminergen Aufwärtstrend – und aus dem schwierigen Start wird oft ein unerwartet flüssiger Einstieg.
Du kannst dich mit Hilfe eines Timers konditionieren, eine bestimmte Zeit lernend durchzuhalten, da eine Belohnung durch kurze (dopaminarme!) Pausen folgt. Es ist so auch möglich, deine Lernzeitspanne schrittweise zu erhöhen.
Optimale Länge von Lernblöcken
Neurowissenschaftliche Befunde lassen darauf schließen, dass Lern- oder Arbeitsblöcke von etwa 50 bis 90 Minuten ideal sein könnten – gefolgt von einer kurzen Pause. Diese Zeitspanne orientiert sich an den natürlichen Ultradianrhythmen des Gehirns, in denen Fokusphasen und Erholungsphasen wechseln. Allerdings gilt: Das ist keine feste Grenze! Je nach Lernstoff, Tageszeit, persönlicher Verfassung und Veranlagung kann die effektive Zeitspanne kürzer oder etwas länger sein.
Solange du für dich eine konzentrierte Lernzeitspanne findest – seien es nur 20 Minuten – ist das vollkommen ausreichend! Die Zeittimer-Technik kann dir dabei helfen, diese Zeitspanne zuverlässig zu etablieren.
5 Lernförderliche Verhaltensweisen
Sport & Bewegung fördern die Gedächtnisbildung
20–30 Minuten moderater Ausdauersport steigern BDNF (ein neuroplastisch wirksames Protein). Dadurch erhöht sich die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zu bilden und Gelerntes langfristig zu festigen.
Ideal: ein kurzes moderates Training direkt vor oder nach dem Lernen, da hier der BDNF-Effekt am zuverlässigsten wirkt.
Ein intensiveres Training ist sinnvoll, wenn es nach dem Lernen erfolgt oder mit 1–2 Stunden Abstand vor einer Lerneinheit – so wirken die positiven Effekte auf die Konsolidierung, ohne dass Erschöpfung oder erhöhte Stresshormone die Aufnahmefähigkeit beeinträchtigen.
Schlaf festigt das Gelernte
Mind. 7–8 Stunden Schlaf fördern Gedächtniskonsolidierung (Leichte Unterschiede in der Schlafdauer zwischen Individuen).
Guten Schlaf fördern:
→ Geh möglichst regelmäßig zur selben Zeit ins Bett. Der Schlaf wird dadurch erholsamer – und dein Gehirn lernt besser.
→ 30–60 Minuten vor dem Schlafen auf Handy & Bildschirme verzichten. Das verbessert deine Tiefschlafphasen – und damit die Gedächtnisbildung.
Versuchsweise Koffein erst ca. 60–120 Minuten nach dem Aufstehen
Vielen Menschen haben ihr Cortisol-Peak am frühen Morgen. Das heißt eigentlich bräuchten sie nicht sofort Koffein, da ihr natürlicher Wachmacher wirkt. Dann ist Koffein 60–120 Minuten nach dem Aufstehen optimal, wenn dein Cortisol erstmalig abfällt.
Dies kann ein „Crash-Gefühl“ später am Tag abdämpfen.
6 Lernen attraktiver Machen
Verknüpfe Inhalte emotional & bildlich
Geschichten, Eselsbrücken, absurde Bilder helfen beim Behalten.
Dein Gehirn liebt Humor, Drama, Spektakel – deshalb Inhalte mit Emotionen verbinden!
Um die Nebenwirkung von einem Medikament zu lernen, habe ich mir dieses abgefahrene Bild von einer Lunge generieren lassen:
Stilisierte Lunge als Eselsbrücke für Medikamentennebenwirkung
KI kann auch geschriebene Merkhilfen generieren oder gleich Bild und Merkhilfe zusammen. Oder du fragst die KI nach einer (wahren) Hintergrundgeschichte, um dir etwas besser merken zu können – einfach mal ausprobieren bei dem, was du dir schwer merken kannst.
Leitner, S. (1995): So lernt man lernen: Der Weg zum Erfolg. 4., überarb. Auflage. Verlag Herder, Freiburg i. Br.
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