Optimale Anki Einstellungen. Der Algorithmus muss ballern damit deine Karteikarten leuchten.

Anki richtig einzustellen lohnt sich, weil du damit Zeit sparst, nach deinen Bedürfnissen lernst und gleichzeitig die tägliche Workload festlegst. Statt „mehr machen“ optimierst du wann und wie oft du etwas siehst – so bekommst du genau die Wiederholungen, die du brauchst, ohne dass dir die Reviews explodieren.

Denn Anki ist kein simples Karteikartenprogramm, sondern ein Spaced-Repetition-System: Der Algorithmus entscheidet, wann du eine Information wiedersehen musst, damit sie sich langfristig festsetzt – mit möglichst wenig Wiederholungen.


Anki für den Desktop herunterladen

Anki am Desktop ist dein Hauptort für die Kartenerstellung. Ich empfehle, dich dort einmal mit Anki und den Einstellungen zu befassen. Danach kannst du gerne die mobile Version auf dem Handy für Wiederholungen nutzen.

  • Ich nutze aktuell Version 25.09.2
  • Hier Anki herunterladen: ankiweb
  • Vorgefertigte Decks können zum Beispiel von folgenden Websites heruntergeladen werden: ankiweb, reddit, theanking (speziell für das USMLE)
  • Danach musst du sie noch importieren (siehe Bild).

Eigenes Stapelprofil erstellen

  • Dient dazu, dass der Anki-Algorithmus noch besser und für eure speziellen Bedürfnisse gut funktioniert. Hier die Anleitung:
  1. Auf das Zahnrad-Symbol neben dem Stapel (zum Beispiel „AM Prüfung“) drücken, dann „Einstellungen“.
  1. Zuerst brauchen wir ein sog. Stapelprofil, mit für unseren Stapel geeigneten Einstellungen. Dafür rechts neben „Speichern“ auf den Pfeil drücken und „Stapelprofil hinzufügen“.

Ich habe es genau wie den Stapel genannt, nämlich „AM Prüfung“.

  1. Danach erneut rechts neben „Speichern“ auf den Pfeil drücken und dann „Auf alle Unterstapel anwenden“. Wichtig, damit die in diesem Beispiel 19 Unterstapel des Decks nach gleichen Einstellungen arbeiten. Mit den Grundeinstellungen würdet ihr sonst zunächst nur Angiologie Fragen sehen, totlangweilig (den Fehler habe ich initial gemacht)!

FSRS-Einstellungen

FSRS ist das Upgrade, das Anki „intelligenter“ macht: präzisere Fälligkeitsprognosen, weniger unnötige Wiederholungen und eine Workload, die sich stabiler anfühlt – weil das Scheduling stärker an dein tatsächliches Erinnern angepasst wird statt an Standardannahmen.

Auch wenn Langzeitdaten fehlen, sind erste Ergebnisse sehr vielversprechend. FSRS ist seit Anki Version 23.10 verfügbar.

Eine Ausnahme: Schalte FSRS nicht kurz vor einer wichtigen Prüfung ein, wenn du vorher schon länger mit Anki gelernt hast. Der Umstieg könnte deine Intervalle und die Verteilung der fälligen Karten spürbar verändern – und das willst du in der heißen Phase nicht riskieren.

  1. FSRS einschalten (grüner Pfeil):
  1. Gewünschte Erinnerungsquote: 90% ist ein guter Wert, wird dieser Wert erniedrigt, sieht man Karten weniger häufig (sie erscheinen später in der Zukunft), mit dann etwas höherer Wahrscheinlichkeit sie zu vergessen. Bei Erhöhung seht ihr eure Karten insgesamt öfters, um die Wahrscheinlichkeit des Erinnerns zu steigern – damit steigt aber auch die Kartenlast pro Tag.
  2. FSRS-Parameter: Finger von diesem Feld lassen! Außer ihr programmiert nebenbei im Anki-Team:)
  3. Bei Änderungen alle Karten umplanen und Beim Optimieren zusätzlich prüfen… wie folgt belassen, damit sich Fälligkeiten und die Kartenlast pro Tag nicht zu stark ändert:

FSRS-Parameter optimieren

  1. Erst nach einigen Monaten der Nutzung sinnvoll!
  2. Dieses Stapelprofil optimieren: wenn gedrückt, nimmt es alle Wiederholungen der Stapel, die dieses Stapelprofil (zum Beispiel AM Prüfung) verwenden – und optimiert anhand dieser Wiederholungen (deiner bisherigen) die FSRS-Parameter (gelber Pfeil). Bei mir waren es in ca. 2 Monaten 2077 Wiederholungen. Dies beeinflusst (optimiert), wann du Karten in der Zukunft wieder siehst. Danach oben rechts auf Speichern drücken.
  1. Die Zeile unter den FSRS-Parametern: Es können statt der in Punkt 2. genutzten Wiederholungen hier vorgegeben werden, dass andere/zusätzliche Wiederholungen genutzt werden sollen. Zum Beispiel werden, wenn „is:review -is:suspended“ in die Zeile eingegeben wird, ALLE deine bisherigen Wiederholungen in Anki herangezogen minus die ausgesetzten Karten.
  2. Dieses Stapelprofil optimieren macht nur im Abstand von einigen Monaten Sinn!

Es folgt ein Bild für eine kurze mentale Entspannungspause:

Ein Bild der schottischen Highlands

Tageshöchstwerte

  1. Tageshöchstwerte für neue Karten: in allen 3 Tabs (gelbe Pfeile) sollte die gleiche Anzahl stehen.
  • Die Zahl 13 habe ich mir ausgerechnet, um bis zur Prüfung alle 1070 Karten gesehen zu haben (1070/x verfügbare Tage). Das richtet sich natürlich ganz nach euren Bedürfnissen, je mehr neue Karten desto mehr Arbeit pro Tag aber natürlich auch mehr Fortschritt.
  • Nur heute (dritter gelber Pfeil ganz rechts) könnte angepasst werden, wenn heute weniger oder mehr neue Karten hinzukommen sollen.
  • Sonderfall: ihr setzt alle Karten aus (=suspend) und dann die wieder ein, die ihr braucht/lernen wollt. dann könnt ihr den Wert in allen Tabs auf 9999 stellen.
  1. Tageshöchstwerte für Wiederholungskarten: auf 9999 stellen, damit keine Karte übersprungen wird, die eigentlich fällig ist (zum Beispiel heute). Der Algorithmus funktioniert so besser.
  2. Neue Karten ignorieren den Tageshöchstwert für Wiederholungskarten: Standardmäßig gilt: Wenn du dein Tageslimit für Wiederholungen erreicht hast, stoppt Anki auch die Einführung neuer Karten (weil neue Karten später zusätzliche Reviews erzeugen würden). Wenn du die Einstellung aktivierst, werden neue Karten trotzdem noch eingeführt, selbst wenn das Wiederholungslimit für den Tag bereits voll ist.
  3. Tageshöchstwerte gelten auch für Unterstapel: Standardmäßig ist es so: Wenn du direkt einen Unterstapel lernst, ignoriert Anki die Tageslimits des übergeordneten Stapels. Es zählen dann nur die Limits des Unterstapels selbst. Wenn du die Einstellung aktivierst, gelten beim Lernen eines Unterstapels zusätzlich auch die Tageslimits aller darüberliegenden Stapel. Praktisch ist das, wenn du mehrere Unterstapel nacheinander lernst und willst, dass die Gesamtzahl der Karten über alle Unterstapel hinweg nicht aus dem Ruder läuft.

Neue Karten

  1. Standardwert für Lernstufen ist 1m 10m. Das erste Intervall (1 Minute) wird benutzt, wenn bei einer neuen Karte „Nochmal“ gedrückt wird. „Gut“ lässt die Karte voranschreiten, das Intervall beträgt dann 10 Minuten. Wenn nochmal „Gut“ beantwortet, sind die Lernstufen der Karte absolviert, die Karte wird zur Wiederholungskarte und erscheint erst wieder an einem späteren Tag. ⁨Intervalle können in Sekunden (30s), Minuten (5m), Stunden (1h) angegeben werden (muss durch Leertaste getrennt sein), längere Zeiträume als Stunden werden nicht empfohlen. Alle Intervalle ≥12h werden von FSRS als 1 Tag betrachtet.  Ich benutze aktuell 2m 5m 10m oder 5m 10m. 
  1. Lernphysiologisch ist es sinnvoll, neue Information besonders am Anfang (in den ersten Stunden) häufiger zu sehen – dies zeigt sehr wirksame Effekte gegen das Vergessen.
  2. Wenn du sicher gehen möchtest, alle Karten in einer einzigen Sitzung zu schaffen, schreibe in das Feld nur 10m (bis 20m), dann werden „Gut“ beantwortete Karten gleich weiter in die Zukunft geschoben.

Fehlversuche

  1. Der Standardwert für Lernstufen für das Wiederlernen ist 10m (ich nutze 5m 10m). Wenn bei einer Wiederholungskarte „Nochmal“ gedrückt wird, wird diese nach 10 Minuten erneut angezeigt.
  2. Schwellenwert Lernbremse (Fehlversuche): nach 4 Fehlversuchen eine Karte mit dem tag „leech“ (Blutegel) zu verschlagworten ist eine gute Standardeinstellung. Nach diesem tag kann über den Browser gesucht werden – diese Karten verdienen offensichtlich besondere Aufmerksamkeit (mehr Lernen, anpassen, löschen oder komplett neu machen).

Anzeigereihenfolge

  1. Grundsätzlich sind die auf dem folgenden Bild zu sehenden Einstellungen gut:
  1. Wenn Einsammelreihenfolge für neue Karten auf „Stapel“ stehen würde, würdet ihr zunächst nur Angiologie fragen sehen!
  2. Wann neue Karten anzeigen: kann auch auf „Nach Wiederholungskarten anzeigen“ gestellt werden, damit erstmal die Wiederholungen angezeigt werden und man diese zuerst abarbeitet. Ich nutze dies gerne, um gerade erst erstellte Karten mit einer gewissen Verzögerung zu sehen.
  3. Sortierreihenfolge für Wiederholungskarten: „Abrufbarkeit aufsteigend“ ist dafür nützlich, dass die schweren zuerst angezeigt werden. Es gibt auch die Meinung, dass mit „Abrufbarkeit absteigend“, also leichteren Karten zuerst, die Erinnerungsfähigkeit stabiler bleibt – solltest du viele Karten in Verzug sein, bzw. aktuell nicht alle Wiederholungen schaffen, kann dies nützlich sein.

Aufschieben

  1. Ausschalten, wenn zum Beispiel Fall-Fragen gelernt werden, bei denen wichtig ist, dass sie nacheinander erscheinen – Eine Notiz, bei der {{c1::…}}, {{c2::…}} etc. (die aus der Notiz entstehenden Karten) nacheinander zu sehen sein sollen.
  2. Ansonsten alle drei einschalten: damit ähnliche Karten (z. B. {{c1::…}}, {{c2::…}} etc., also die aus einer Notiz entstandenen Karten) nicht nah beieinander gezeigt werden.

Automatisches Aufdecken

  1. Automatisches Aufdecken kann als Ankis Autopilot genutzt werden: Karten laufen zeitgesteuert durch, die Antwort wird nach einem festen Intervall automatisch angezeigt und anschließend kann Anki direkt eine Aktion ausführen (optional erst nach Audio). Das ist besonders sinnvoll für Tempo-Reviews, Audio-/Sprachkarten und hands-free Sessions.
  2. Ich setze in beiden Feldern 0,0 (gelbe Pfeile) ein, um die Funktion zu deaktivieren, da sie mir persönlich keinen Vorteil bringt.

Tage mit weniger Wiederholungen

  1. Wird für einen Tag oder Tage der Regler nach links geschoben, reduziert sich die Anzahl der Karten an diesem Tag. Dies geschieht relativ zu den anderen Tagen, also alle Tage auf Minimum zu stellen macht dann auch wieder kein Unterschied in der Anzahl der Karten. Der Effekt wird nach und nach über mehrere Tage implementiert.

Allgemeine Tipps

  1. Nur „Schwer“ drücken, wenn du die Karte grundsätzlich beantworten kannst, aber z. B. lange für die Beantwortung gebraucht hast. Ansonsten sollten „Gut“ oder „Nochmal“ eurer Standard sein – lieber einmal zu viel „Nochmal“ als einmal zu wenig.
  2. Wie unter FSRS aufgeführt, gelegentlich „Diese Stapelprofil optimieren“.

Eigene Anki-Karten erstellen


Version: Dezember 2025

© 2025 Dr. Lucas Möll. Alle Rechte vorbehalten.

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2 Antworten zu „Optimale Anki Einstellungen. Der Algorithmus muss ballern damit deine Karteikarten leuchten.”.

  1. Avatar von Julian
    Julian

    Super Artikel, danke!

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  2. Avatar von Die besten Anki-Add-ons: Erweiterungen, die dein Lernen verbessern – Lernen lernen.

    […] Optimiere dein Kartentraining im Artikel „Optimale Anki-Einstellungen“ und steigere deinen Lerns…Hier ein Artikel, wie du GUTE Karteikarten erstellst. […]

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